
LIGABlatt
·27. Februar 2025
Legenden: Arda Turan – der erste türkische Weltstar!

LIGABlatt
·27. Februar 2025
In unserer Rubrik "Legenden" nehmen wir die Karrieren von "Legenden des türkischen Fußballs" genauer unter die Lupe und analysieren, was diese Persönlichkeiten so herausragend gemacht hat. Diese Legenden können türkische Spieler oder Trainer sein, oder auch internationale, die einen großen Einfluss auf den Fußball in der Türkei gehabt haben. In dieser ersten Ausgabe geht es um Arda Turan, der als wohl erster türkischer Fußballer die internationale Anerkennung als Weltstar genoss. Eine Karriere-Analyse von LIGABlatt-Redakteur Ove Frank.
Stellt man sich die Frage, welcher der wohl beste, oder zumindest talentierteste türkische Fußballer der vergangenen 20 Jahre war, werden aller Voraussicht nach die meisten als erstes Arda Turan ins Spiel bringen – die anderen sind wahrscheinlich Fenerbahçe-Fans… Bereits in jungen Jahren machte Arda Turan sowohl im Trikot von Galatasaray als auch in der türkischen Nationalmannschaft auf sich aufmerksam. Es folgten Wechsel zu Atlético Madrid und zum FC Barcelona, wo er zweimal spanischer Meister wurde, insgesamt dreimal den spanischen Pokal gewann und auch in der Europa League den Titel erringen konnte. Was aber machte Arda Turan so besonders? Wagen wir einmal einen Blick in seine Karriere und seine Fähigkeiten als Spieler.
Bereits als Junge ein vielbeachtetes Talent
Arda Turan wurde am 30. Januar 1987 in Istanbul geboren und entwickelte wie so viele türkische Jungen schon früh eine Leidenschaft für den Fußball. Dabei fiel aber schon früh auf, über was für eine herausragende Technik der kleine Arda verfügte, weshalb auch schnell Scouts aus dem türkischen Profifußball auf ihn aufmerksam wurden. Nach einigen Try-Outs landete Turan schließlich bei Galatasaray und durchlief ab dem Jahr 2000 die Akademie und Jugendmannschaften der Gelb-Roten. Sein Profidebüt gab Arda Turan im Jahr 2005 mit gerade einmal 18 Jahren, was seinerzeit, anders als heute, wo immer jüngere Spieler in Profi-Teams debütieren, allein schon für Aufregung sorgte.
Leihe zu Manisaspor verhilft Turan zum Durchbruch
Um Spielzeit zu sammeln, wurde Arda in der Rückrunde der Saison 2005/06 zu Süper-Lig-Konkurrenten Vestel Manisaspor ausgeliehen, wo er tatsächlich regelmäßig eingesetzt wurde und seine ersten Tore in der ersten türkischen Liga sammeln konnte. Obgleich als Flügelspieler eingesetzt, wo der Rechtsfuß sowohl sein Tempo als auch seine feine Technik am besten nutzen konnte, zeigte er auch gewisse Spielmacherqualitäten, weshalb er auch immer wieder in die Mitte zog, um durch kluge Pässe, seine besser postierten Mitspieler in Szene zu setzen.
Shootingstar bei Galatasaray
Die anschließende Saison bedeutete für Arda Turan den endgültigen Durchbruch: Wettbewerbsübergreifend kam der damals erst 19-Jährige zu 36 Pflichtspieleinsätzen, fünf davon bereits in der Champions League, in denen ihm acht Tore und elf Vorlagen gelangen. Diese Leistungen blieben auch international nicht unbemerkt, weshalb angeblich mehrere Angebote von namhaften Klubs aus den europäischen Top-Ligen für Turan hereinkamen, jedoch wurden diese allesamt von der Galatasaray-Führung abgelehnt – man wollte seinen Diamanten nicht so früh abgeben und ihn stattdessen noch selbst etwas schleifen.
2007/08 eines der heißesten Talente in Europa
In der Saison 2007/08 war Arda Turan dann endgültig absoluter Leistungsträger beim türkischen Rekordmeister: In 44 Pflichtspielen steuerte er acht Tore und beeindruckende 19 Vorlagen bei. Damit hatte Turan großen Anteil am Meisterschaftsgewinn seiner Mannschaft und wurde selbst in der Süper Lig zum Spieler der Saison gekürt. Da nun allerdings die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz anstand, waren die Hoffnungen der türkischen Fans groß, dass ihr Wunderknabe die türkische Nationalmannschaft zu Ruhm und Ehre führen würde – Arda enttäuschte nicht.
Star der türkischen Nationalmannschaft
Insgesamt erzielte der 21-Jährige drei Tore – gegen die Schweiz gelang ihm sogar der Siegtreffer in der Nachspielzeit – und führte seine Mannschaft so ins Halbfinale gegen Deutschland, das er selbst allerdings aufgrund einer Gelbsperre verpasste. Hier scheiterten die Türken zwar knapp, jedoch war es der beste Auftritt der türkischen Nationalmannschaft bei einem großen internationalen Turnier seit der WM 2002 und auch seither und Arda Turan war das Gesicht dieses Erfolgs. Bis 2017 sollte Arda Turan 100 Länderspiele für die Türkei absolvieren und 17 Tore erzielen, doch sollte sein Auftritt bei der EM 2008 das Highlight seiner Nationalmannschaftskarriere bleiben. Mit 100 Länderspielen für die Türkei ist Arda Turan aber dennoch (Stand Februar 2025) der Spieler mit den fünftmeisten Einsätzen des Landes.
Arda Turan bleibt bei Galatasaray
In der folgenden Spielzeit konnte Arda Turan seine starken Leistungen aus dem vorangegangenen Jahr noch einmal bestätigen und erzielte 12 Tore und bereitete 13 weitere Treffer vor. Zwar konnte man die türkische Meisterschaft nicht verteidigen, Turan wurde nach der Saison aber dennoch erneut zum besten Spieler der Süper Lig gewählt. Viele Beobachter erwarteten nun, dass der junge Star nun ins Ausland wechseln würde, doch entschied dieser sich, auch weiterhin bei Galatasaray zu bleiben, in der Hoffnung, mit den "Löwen" noch einmal türkischer Meister werden zu können, doch war es ihm trotz individuell hervorragender Leistungen nicht vergönnt.
2011/12 Wechsel zu Atlético Madrid und Europa-League-Sieger
Nachdem Arda Turan in der Saison 2010/11 verletzungsbedingt in gerade einmal 19 Pflichtspielen zum Einsatz kam, wobei ihm dennoch beachtliche neun Scorer gelangen, und am Ende erneut kein Titel heraussprang, beschloss er nun endlich den Sprung ins Ausland zu wagen. Ein Jahr vor Vertragsende wechselte der damals 24-Jährige für 13 Millionen Euro zu Atlético Madrid, wo er den sportlichen Höhepunkt seiner Karriere erleben sollte. Zwar fiel es Turan zunächst nicht so leicht, sich in das neue System unter Diego Simeone einzufinden, in der ihm weniger Freiheiten zugesprochen wurden als noch in Istanbul, jedoch wurde er ein wichtiger Stammspieler, der vor allem in der Europa League seine Qualitäten als Vorbereiter aufblitzen lassen konnte und mit acht Scorern in 12 Spielen erheblichen Anteil am Titel-Gewinn der "Rojiblancos" in diesem Wettbewerb hatte.
Leistungsträger unter Diego Simeone – Spanischer Meister und Pokalsieger
Auf beiden Flügeln sowie auf der Zehn gleichermaßen einsetzbar war Arda Turan auch in den nachfolgenden Saisons eines der Zugpferde bei Atlético, das nicht zuletzt auch durch seinen Kampfgeist und Einsatzwillen auffiel, wobei er sich auch nicht davor scheute, sich die Finger schmutzig zu machen. So sammelte der türkische Nationalspieler eine stattliche Anzahl an Gelben Karten, obgleich er nicht als auffallend unfairer Spieler auffiel. Mit seinen Führungsqualitäten auf dem Platz verhalt Arda Turan Atlético 2013 zunächst zum Gewinn des türkischen Pokals und im folgenden Jahr sogar zum Gewinn der spanischen Meisterschaft. Im gleichen Jahr konnte man sogar ins Finale der Champions League einziehen, verlor dieses aber auf dramatische Weise gegen Stadtrivalen Real Madrid. Dennoch wurde der Nationalspieler 2014 wie auch 2015 in der Türkei zum Fußballer des Jahres gewählt.
2015 der Rekord-Transfer zum FC Barcelona
Im Sommer 2015 erfüllte sich Arda Turan dann einen Kindheitstraum und wechselte für eine Basisablöse von 34 Millionen Euro zum amtierenden Champions-League-Sieger, dem FC Barcelona, wo er fortan mit Luis Suárez, Neymar und vor allem Lionel Messi zusammenspielen würde. Bis heute ist Arda Turan damit der teuerste türkische Fußballer aller Zeiten. Dieser Wechsel hatte allerdings auch für den Spieler einen bitteren Beigeschmack, da "Barca" für den Sommer 2015 mit einer Transfersperre belegt worden war, was bedeutete, dass Arda Turan erst im folgenden Januar offiziell registriert werden konnte. Bis dahin gehörte er nicht offiziell dem Profi-Kader der Katalanen an und hatte somit keinen Anteil am Titelgewinn der "Blaugrana" bei der Klub-Weltmeisterschaft im Dezember 2015.
Weitere Titel aber Verlust der sportlichen Relevanz
Erst ab der Rückrunde 2015/16 wurde Arda Turan im Profikader des FC Barcelona eingesetzt. Hier hatte er allerdings Schwierigkeiten, als offensiver Flügelspieler hinter Neymar und Messi auf viel Spielzeit zu kommen. Wenn er zwar spielte, machte der Türke seine Sache zwar gut, konnte über die Rolle des Ergänzungsspielers aber nicht hinauskommen, was sich vor allem in der nachfolgenden Saison noch einmal bestätigen sollte. Dennoch machte Turan eine fußballerische Wandlung durch und passte sein Spiel an, indem er nun häufiger auch auf den Halbpositionen sowie im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde, wo er vor allem seine Spielintelligenz einbringen konnte. 2016 konnte der Türke aber immerhin die spanische Meisterschaft, den spanischen Pokal sowie den spanischen Superpokal gewinnen, weshalb sich der Wechsel zumindest aus Titel-Sicht durchaus gelohnt hatte.
Rückkehr in die Süper Lig bringt nicht die erhoffte Wende
Die Karriere des einstmals als "Heilsbringer des türkischen Fußballs" gepriesenen Arda Turan ging nunaber immer mehr bergab, was vor allem auch durch zahlreiche Störgeräusche Abseits des Fußballplatzes, die hier nicht näher erläutert werden sollen, verstärkt wurde. 2018 wechselte Turan noch einmal auf Leihbasis zu Başakşehir zurück in die Süper Lig, doch konnte er nicht mehr an seine glanzvollen Tage von früher anknüpfen. Mit schwachen Fitnesswerten konnte der einstige Star nicht mehr auf den Flügel brillieren und tat sich auch im Zentrum schwer, wo er eine andere Form des Fußballs gewohnt war.
Karriereende bei Galatasaray und neue Karriere als Eyüpspor-Coach
Im Sommer 2020 kehrte der verlorene Sohn noch einmal zu Galatasaray zurück. Zwar konnte Turan tatsächlich noch mit einigen genialen Momenten brillieren, doch seine große Zeit war offenkundig vorbei. Sein Vertrag wurde tatsächlich noch einmal verlängert, doch blieben seine Einsätze nun nur noch sporadisch. Am 12. September 2022 dann gab Arda Turan im Alter von 35 Jahren sein Karriereende bekannt. Im April 2023 kehrte der einstige Weltklassespieler allerdings in den Profifußball zurück und übernahm den Trainerposten beim türkischen Zweitligisten Eyüpspor, den er am Ende der folgenden Saison tatsächlich zurück in die Süper Lig führen konnte. Dort spielt sein neuer Verein unter Turan Stand 27. Februar 2025 eine auffallend starke Saison und kämpft tatsächlich um einen der europäischen Plätze mit.
Was machte Arda Turan so besonders?
Arda Turan war ein Spieler mit einer herausragenden Technik und einem ungewöhnlich hohen fußballerischen IQ. Trotz seiner Dribbelstärke, seiner Beidfüßigkeit und seiner guten Schusstechnik war es vor allem seine Fähigkeit, seine Mitspieler um sich herum besser zu machen, die Arda Turan zwischen 2008 und 2016 zu einem der besten Mittelfeldspieler Europas machten. Dabei war es relativ egal, ob er auf dem rechten oder linken Flügel oder auf der Zehn im offensiven Mittelfeld eingesetzt wurde, denn überall konnte er mit seiner Spielintelligenz und seinem guten Passspiel die Offensivaktionen seiner Mannschaft orchestrieren. Früher noch häufiger selbst als Vollstrecker oder Assist-Geber zu sehen, trat er in seiner Zeit in Spanien etwas aus dem Rampenlicht zurück und steuerte vor allem viele Pre-Assists bei. Bei Atlético entwickelte der mit 1,77 Metern nicht gerade großgewachsene Turan zudem eine erstaunliche körperliche Robustheit sowie eine auffallende Führungsstärke auf dem Platz, was ihm, gepaart mit seinen fußballerischen Fähigkeiten, schließlich das Interesse des FC Barcelona einbrachte.
Wieso scheiterte Turans Karriere am Ende?
Leider gelang es Arda Turan aber nicht, seine Qualitäten zu konservieren. Immer wieder wurden dem Spieler der Hang zu unprofessionellem Verhalten und Streitlust nachgesagt. Anstatt sich auf seine körperliche Fitness zu konzentrieren, sei der türkische Star dem Nachtleben und ungesundem Essen nicht abgeneigt gewesen und habe sich zudem auf zwielichtige Bekanntschaften eingelassen. Infolge damit zusammenhängender Eskapaden musste sich Arda Turan auch juristisch verantworten und wurde im September 2019 unter anderem wegen Körperverletzung und illegalem Waffenbesitz zu zwei Jahren und acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Diese mangelnde Professionalität sowie der Hang zu Skandalen führten schließlich zu einem rapiden Absturz der Karriere des einstigen Weltklassespielers, die letztendlich fast schon unbemerkt im Sommer 2022 zu Ende ging.
Was ist Arda Turans Vermächtnis?
Wäre Turan nicht zum FC Barcelona gewechselt und hätte er einen professionelleren Lebenswandel gepflegt, was hätte dann alles sein können, fragt man sich. Dennoch sollte man nicht Unterschlagen, welch ein Vermächtnis Arda Turan hinterlässt: Bis heute ist der ehemalige Mittelfeldspieler das erklärte Vorbild vieler junger türkischer Kicker. Durch seine mitunter brillanten Auftritte mit der türkischen Nationalmannschaft sowie auf der europäischen Bühne brachte Arda Turan dem türkischen Fußball international viel Aufmerksamkeit ein. Dass er nicht bereits im Sommer 2008 ins Ausland wechselte, sondern sich für einen Verbleib bei Galatasaray entschied, trug letztlich dazu bei.
Arda Turan ist zudem eines der Gesichter, dass unter Diego Simeone eine neue Ära bei Atlético Madrid einläutete und am Ende den Grundstein dafür legte, dass die "Rojiblancos" inzwischen hinter Real Madrid und dem FC Barcelona die dritte Kraft im spanischen Fußball sind. Mit 100 Einsätzen ist Arda Turan zudem der Spieler mit den fünfmeisten Spielen für die türkische Nationalmannschaft und war lange Zeit deren Aushängeschild. Das alles führt dazu, dass Arda Turan, trotz des unrühmlichen Endes, eine der größten Karrieren des türkischen Fußballs überhaupt hingelegt hat und alle großen Namen, die ihm folgen, sei es ein Kenan Yıldız oder Turans Namensvetter Arda Güler, werden sich an ihm messen lassen müssen.
Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images