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Philipp Overhoff·4. April 2025
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Philipp Overhoff·4. April 2025
Viele Fußballerkarrieren sind bereits vorbei, bevor sie überhaupt erst so richtig begonnen haben. Das kann die verschiedensten Gründe haben. Verletzungspech, zu große Konkurrenz oder auch die Erkenntnis, dass es für den endgültigen Durchbruch einfach nicht reicht. All das trifft auf die folgenden drei Weltstars nicht zu. Sie haben sich trotz eines Stotterstarts nicht vom Weg zum Weltklassespieler abbringen lassen und ihren Traum im zweiten Anlauf doch noch erleben dürfen.
Dennis Nicolaas Maria Bergkamp verfügt neben dem vermutlich besten ersten Kontakt auch über einen der legendärsten Spitznamen der gesamten Fußball-Geschichte. Während seiner Karriere machte der Angreifer als "Non-Flying Dutchman" von sich reden. Zurückzuführen ist diese Bezeichnung auf Bergkamps Flugangst, deren Ursprünge Erzählungen zufolge im Vorfeld der WM 1994 liegen, wo der Motor des niederländischen Flugzeugs während der Reise in die USA ausfiel.
Für Bergkamp rundete dieser Vorfall ein wahres Horrorjahr ab. Noch im Sommer 1993 war der Edeltechniker mit großen Vorschusslorbeeren von Ajax zu Inter gewechselt. Bei der Verpflichtung gaben die Nerazzurri ihrem Neuzugang das Versprechen, in Zukunft offensiver spielen und den alten Catenaccio-Style über Bord werfen zu wollen. Doch dieses Versprechen wurde gebrochen, worunter Bergkamp mächtig litt und eine letztlich enttäuschende Debüt-Saison spielte.
📸 Shaun Botterill
Nachdem auch im zweiten Jahr keine Besserung zu sehen war, wechselte der Stürmer 1995 zum FC Arsenal. Und die Gunners sollten sich als das perfekte Match zeigen. Bergkamp avancierte im Norden Londons zu einer gefeierten Vereinsikone und gewann je dreimal die Premier League und den FA Cup. Das absolute Highlight: Die Invincible-Saison 2003/2004, in der Arsenal sich zum ersten ungeschlagenen Meister Englands krönte. Der nicht-fliegende Holländer zeigte bis ins hohe Alter Top-Leistungen und profitierte dabei trotz quasi nicht mehr vorhandener Athletik von seinen unglaublichen Fähigkeiten am Ball. Er war nun mal ein Weltklasse-Fußballer.
Einst als eines der größten Offensiv-Talente in ganz Europa gehandelt, wechselte Arjen Robben 2004 im Alter von nur 20 Jahren von der PSV Eindhoven zum neureichen und aufstrebenden FC Chelsea. Verletzungen machten dem Rechtsaußen an der Stamford Bridge immer wieder das Leben schwer, doch sein schier überbordendes Potenzial war schon damals für jeden Fußball-Kenner sichtbar. So sichtbar, dass Real Madrid im Sommer 2007 zuschlug.
Die Zeit in der spanischen Hauptstadt verlief dann aber weder für Robben noch seine Haarspracht besonders vorteilhaft. Das Kuriose: Eigentlich spielte der Niederländer mehr als ordentlich. Für die traditionell großen Pläne von Real-Boss Florentino Pérez war Robben jedoch schlicht zu klein. Nach den Verpflichtungen von Cristiano Ronaldo und Kaká zur zweiten Wahl degradiert, verließ er die Königlichen 2009 und ging zum FC Bayern.
Zu jenem FC Bayern, der im Vorjahr eine der schwersten Saisons seiner jüngeren Vereinsgeschichte erlebt hatte. Das Stichwort Jürgen Klinsmann dürfte an dieser Stelle genügen. An der Seite von Landsmann Louis van Gaal führte Robben die Münchener aber zurück ins gelobte Land und leitete die wahrscheinlich erfolgreichste Ära in der gesamten Klub-Historie ein. In zehn Bayern-Jahren holte Robben acht Meistertitel, schoss das entscheidende Tor im CL-Finale 2013 und dürfte bis heute mietfrei im Kopf sämtlicher Buli-Linksverteidiger der 2010-er Jahre leben. Und das obwohl er quasi ohne rechten Fuß spielte. Einfach nur Weltklasse.
War Marco Materazzi ein fairer Sportsmann? Vermutlich nicht. Hat er es in die Köpfe seiner Gegenspieler geschafft? Ja. Hat er die Köpfe seiner Gegenspieler deshalb sogar auf der Brust gespürt? Doppeltes Ja. Noch heute taucht der großgewachsene Italiener in den schlimmsten Albträumen von All-Time-Great Zinedine Zidane auf. Und das völlig zurecht.
Denn auch abseits des legendären Kopfstoßes spielte Materazzi im WM-Finale 2006 die absolute Hauptrolle. Zunächst verursachte der Innenverteidiger in der 6. Spielminute einen Foulelfmeter für Frankreich, ehe in der 19. Spielminute per Kopfball höchstpersönlich für den 1:1-Ausgleich sorgte. Auch im späteren Elfmeterschießen verwandelte der Profi-Provokateur einen Strafstoß. Materazzi darf also mit Fug und Recht als der Kopf des italienischen WM-Titels bezeichnet werden.
📸 JOHN MACDOUGALL
Doch nach dieser Heldengeschichte sah es lange Zeit so gar nicht aus. Bis ins gehobene Fußballer-Alter von 25 spielte der 1,93m-Hüne bei Zweit- oder sogar Drittligisten, auch sein einjähriges England-Abenteuer 1999 scheiterte auf ganzer Linie. Erst 2001 etablierte sich Materazzi bei der AC Perugia als Serie-A-Spieler und wechselte im Anschluss zu Inter, wo er fünf Meisterschaften und 2010 sogar das Triple gewinnen sollte. In jeglicher Hinsicht eine Weltklasse-Ausbeute.
📸 JOHN MACDOUGALL