90PLUS
·2 April 2025
Prozess wegen Steuerbetrug beginnt: Ancelotti beteuert Unschuld

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·2 April 2025
Gestern noch ein 4:4-Krimi im Pokal, heute ein wohl mindestens genauso ernste Angelegenheit im Gerichtssaal: Der Prozess gegen Real-Madrid-Coach Carlo Ancelotti (65) ist heute Vormittag gestartet. Dem Italiener wird Steuerhinterziehung vorgeworfen. Vor den Richtern beteuerte er heute abermals seine Unschuld.
Trainer Carlo Ancelotti vom spanischen Fußball-Rekordmeister Real Madrid hat zu Beginn seines Prozesses wegen Steuerhinterziehung jegliche Betrugsabsicht bestritten. „Ich habe nie daran gedacht zu betrügen“, sagte der Italiener bei der Anhörung am Mittwochmorgen in Madrid. In seiner Aussage vor Gericht behauptete er zudem, dass ihm Real selbst das Vergütungssystem vorgeschlagen habe. „Ich habe nie gemerkt, dass etwas nicht stimmt.“
Ancelotti wird vorgeworfen, in den Jahren 2014 und 2015 seine Einkünfte aus Bildrechten und weiteren Einnahmequellen in Höhe von insgesamt über eine Million Euro mithilfe eines „verwirrenden“ und „komplexen“ Systems von Briefkastenfirmen vor den spanischen Steuerbehörden verborgen zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert, den 65-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten sowie zu einer Geldstrafe von mehr als drei Millionen Euro zu verurteilen.
Ancelotti kam am Mittwochmorgen zusammen mit seinem Sohn Davide und seiner Frau Mariann Barrena McClay um kurz vor 10 Uhr am Obersten Gerichtshof in der spanischen Hauptstadt an, trug einen eleganten schwarzen Anzug, wirkte „entspannt“ und war laut eigenen Aussagen „zuversichtlich“, wie AFP-Reporter berichteten. Angesetzt ist die Verhandlung zunächst für zwei Tage.
„Ich habe volles Vertrauen in Recht und Gerechtigkeit und mache mir keine Sorgen. Ich freue mich darauf, meine Aussage zu machen“, hatte Ancelotti im Vorfeld betont. Einem Gerichtsdokument aus dem Jahr 2023 zufolge, das die Nachrichtenagentur AFP vor einem Jahr einsehen konnte, gab Ancelotti die Tatsachen im Rahmen der Untersuchung zu.
Bei früheren Steuerstrafverfahren gegen prominente Angeklagte, etwa Lionel Messi (2016), Cristiano Ronaldo (2018) oder Jose Mourinho (2019), hatten sich diese bisweilen für schuldig erklärt und im Gegenzug eine mildere Strafe bekommen. „Alle Spieler machen das, Mourinho hatte das auch“, sagte Ancelotti. Auch Xabi Alonso, derzeit Trainer von Bayer Leverkusen und möglicher Nachfolger von Ancelotti bei Real, war 2023 in einem ähnlichen Fall freigesprochen worden.
Ancelotti hatte Real erstmals von 2013 bis 2015 trainiert, nach Stationen bei Bayern München, der SSC Neapel und dem FC Everton übernahm er die Königlichen wieder 2021. Sein Vertrag läuft bis 2026. (SID)
(Photo by Angel Martinez/Getty Images)