Tore ja, Flow nein: 3 Erkenntnisse zum Erfolg der DFB-Frauen gegen Schottland | OneFootball

Tore ja, Flow nein: 3 Erkenntnisse zum Erfolg der DFB-Frauen gegen Schottland | OneFootball

Icon: 90min

90min

·5 aprile 2025

Tore ja, Flow nein: 3 Erkenntnisse zum Erfolg der DFB-Frauen gegen Schottland

Immagine dell'articolo:Tore ja, Flow nein: 3 Erkenntnisse zum Erfolg der DFB-Frauen gegen Schottland

Ein 4:0 ist ein schönes Ergebnis. Das fand zumindest Franziska Kett, die gegen Schottland ihr Debüt im deutschen Nationalteam der Frauen feierte. Und auch Christian Wück, der Bundestrainer, hatte wohl wenig dagegen einzuwenden, was nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel des Stadions in Dundee stand.

Seine Zufriedenheit erreichte wohl schon früh seinen Höhepunkt: Schon nach weniger als sechzig Sekunden klingelte es im schottischen Kasten, dafür sorgte Elisa Senß mit einem Traumtor. Aber anschließend taten sich die DFB-Frauen nicht ganz so leicht.


OneFootball Video


So war es sinnbildlich, dass für das zweite Tor in der ersten Hälfte keine deutsche Spielerin so wirklich die Lorbeeren einheimsen konnte: Die Schottin Sophie Howard rutschte überambitioniert in eine Hereingabe - Eigentor (21.). In Hälfte zwei sorgten dann Cora Zicai mit ihrem zweiten Tor im dritten Einsatz (57.) und Lea Schüller (59.) für ein gutes Endergebnis. Die Erkenntnisse zum Spiel.

Es ist eine der liebsten Floskeln aller Sportmoderatoren: Ein frühes Tor, das ist immer gut! Besonders mental! Da hat man jetzt die Führung im Rücken, kann entspannt aufspielen, der Druck ist raus, und die Gegnerinnen müssen mehr für das Spiel machen. Wenn dann zwanzig Minuten später das 2:0 fällt, dann ist das Leben noch schöner. Jetzt können sie ganz souverän spielen, vielleicht sogar in einen Flow kommen, die Gegnerinnen überrennen...

Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis allerdings zeigten sich die DFB-Frauen von der eigenen Führung seltsam wenig bestärkt. Fehlpässe, verlorene Zweikämpfe, fahriges Spiel nach vorne. Klar, da hatte auch der Acker von Dundee seinen Anteil dran, aber das war nicht der einzige Grund. Christian Wück war es an der Nasenspitze anzusehen, dass er am liebsten seinen Spielerinnen zugerufen hätte: Warum so verkrampft, so nervös? Es ist doch alles gut!

Immerhin gerieten die DFB-Frauen dieses Mal nicht in Rückstand, aber das Spiel gegen Schottland zeigt: Die Unsicherheit ist, drei Monate vor EM-Beginn, noch zu spüren. Die klaren Champions-League-Pleiten der deutschen Teams (Wolfsburg verlor über zwei Spiele mit 2:10 gegen Barcelona, Bayern mit 1:6 gegen Lyon) dürften das Selbstvertrauen nicht gesteigert haben.

Die Null steht - aber sie wackelte doch

Christian Wück zeigte sich nach dem 4:0 weniger mit der 4 auf der deutschen Seite zufrieden, als mit der 0 auf schottischer Seite. Es war erst das zweite Mal in sieben Spielen unter Wück, dass seine DFB-Frauen kein Gegentor kassierten - und das andere Spiel war ein 6:0 gegen höchst überforderte Schweizerinnen gewesen. Da tat es gut, endlich wieder "le clean sheet" zu bewahren.

In der Nachspielzeit warfen die DFB-Frauen gegen die tapferen Schottinnen, die sich nie aufgaben, nochmal alles rein und verhinderten kollektiv das Gegentor - da wurde geblockt und pariert, gefoult und gedoppelt. Dementsprechend fiel auch Wücks Fazit aus: Wenn sie zusammenhalten würden, so der Trainer, dann könnten die DFB-Frauen sehr wohl zu Null spielen.

Allerdings war die Bewertung des Spiels dann doch etwas zu sehr vom Ergebnis beeinflusst, wie das so gerne der Fall ist. Schottland hatte immerhin nur zwei Torschüsse weniger als Deutschland, darunter eine Hundertprozentige und einen Aluminium-Treffer. Vom Spielverlauf her war es eher ein 3:1. Und das ist vielleicht auch okay, wenn man die Verletztenlage in der Abwehr bedenkt. Aber zu viel einbilden auf diese Null sollte man sich nicht.

Wücks Experimente: Es wird Zeit, das Labor zu verlassen

Christian Wück hat in seiner nun etwa siebenmonatigen Amtszeit schon einige Phrasen gedroschen, aber er hat auch einige bemerkenswerte Sätze gesagt. Zum Beispiel diesen: "Von einigen Spielerinnen sind wir nicht hundertprozentig überzeugt." Namen nannte Wück natürlich nicht, aber das war doch eine recht klare Aussage.

Die spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Mehr als 30 Spielerinnen wurden jetzt in sieben Spielen unter Wück eingesetzt. Selbst für ein Team, das noch sein Gerüst sucht, ist das sehr viel. Und die große Rotation, auch das war bei Wück herauszuhören, lag nicht nur an den tollen Alternativen, sondern auch an eher enttäuschenden Leistungen der alten Garde.

Mit seinem Zitat könnte er etwa Sarai Linder gemeint haben, die unter Hrubesch noch gesetzt war, in den letzten Spielen aber weniger zum Zug kam. Auf ihrer Position, der linken Verteidigung, kam nun stattdessen Debütantin Franziska Kett zum Zug. Die machte es so gut, wie man es eben von einer guten Spielerin erwarten kann, die eigentlich keine Defensivspezialistin ist - Kett ist eigentlich eher im Mittelfeld oder sogar als Teil einer Flügelzange zuhause. Es ist eins von mehreren Experimenten, von denen man ahnt, dass sie nur kurze Bestanddauer haben werden.

Wück ist in der Zwickmühle: Mit seinen Optionen ist er offensichtlich nicht ganz zufrieden. Aber um nun noch mehr Spielerinnen debütieren zu lassen, und sie ins Team einzugliedern, dafür ist die Zeit bis zur EM 2025 einfach zu kurz. Die Zeit der Experimente sollte spätestens nach dem zweiten Schottland-Spiel (8. April, 17:45, in Wolfsburg) vorbei sein.

Mehr Artikel zum Frauenfußball bei 90min lesen:

feed

Visualizza l' imprint del creator